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Schmalkalden: Im Ortsteil Walperloh kocht der Mob nach dem Zuzug von Flüchtlingen

Eintragsdatum: 2014-04-29Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Eine Bürgerversammlung im Ortsteil Walpersloh berief Bürgermeister Kaminski am 23. April ein, um die Wogen zu glätten. Das misslang. Auch in Südthüringen formiert sich abseits der üblichen Nazicliquen ein Mob aus Anwohner_innen, um gegen Flüchtlinge vorzugehen. Befeuert wird die Hetze vom rassistischen Jargon des Journalisten vom „Freien Wort“ und den Beschwichtigungsversuchen der Verantwortlichen.

Von „Asylanten“ schreibt der Journalist Eric Hande im Auftrag von "Freies Wort" – freilich ganz objektiv und neutral, wie sich das für einen Wurstblatt-Journalisten gehört –, wenn er die 65 in Schmalkalden-Walperloh untergekommenen Flüchtlinge meint. Er bedient sich damit eines Begriffes, den abzulehnen man keine Linksradikale sein muss und stimmt so in den rassistischen Tenor der Bürgerversammlung ein. Diese „Asylanten“ bereiten den Eingeborenen „offensichtlich“ Probleme, wie schon aus der Überschrift des Artikels („Im Walperloh brodelt es in der Bürgerschaft wegen Asylbewerbern“) zu entnehmen ist. Nicht etwa der Rassismus der Anwohner_innen ist der Grund für den Aufruhr, sondern die Asylbewerber_innen. Jene Probleme scheinen konkret darin zu bestehen, dass die Wohnungen der Asylbewerber_innen nicht so heruntergekommen sind, wie die der Deutschen und dass den Deutschen bisher keiner mitgeteilt hat, dass die Fressfeinde bald wieder abgeschoben werden sollen.

Der Bürgermeister versuchte zu beschwichtigen, indem er beteuerte, dass die Geflohenen hier unterhalb der Armutsgrenze gehalten werden. Er berichtete außerdem über die Schicksale der Menschen und bittet um Verständnis. Ziemlich naiv. Können doch die gemeinen Deutschen nichts besser wegstecken, als Berichte über das Leid von anderen. Die Empathie ist ein Stiefkind aus Deutschland. Strategisch klüger stellt sich die Fachbedienstete des Landratsamtes, Susanne Reum an. Sie berichtet, dass die Asylbewerber bald eh wieder abgeschoben werden und die, die bleiben dürfen, suchen sich erfahrungsgemäß schnell einen anderen Wohnort. Dafür wird die Gastfreundschaft aus Walperloh schon sorgen.

Gewöhnlich verbreiten wir keine Texte, in denen beschränkte Idioten im Auftrag der Lokalzeitung Ängste und Hass gegen Geflüchtete schüren und Verständnis für einen rassistischen Mob hegen. Als Mahnmal gegen Borniertheit und Bosheit und mit dem Hinweis auf vorstehendes Kommentar, geschieht dies hier trotzdem:

Im Walperloh brodelt es in der Bürgerschaft wegen Asylbewerbern

Die Aufnahme von Asylbewerbern stellt die Stadt offensichtlich vor Probleme. Bislang sind die Ausländer nur im Wohngebiet Walperloh untergebracht. Aber das Miteinander funktioniert augenscheinlich nicht.

Schmalkalden - Unmut brach sich am Mittwochabend in der Gaststätte "Walperloh" seine Bahn. Bürgermeister Thomas Kaminski hatte eingeladen, um über Probleme zu reden, die offenbar das Zusammenleben etlicher Bürger mit den Asylbewerbern im Neubaugebiet bereitet. Dabei musste er feststellen, dass einige Schmalkalder über den Ablauf des Asylverfahrens und die Rechte der Asylanten überhaupt nichts wussten. Gleichzeitig bekam er einen Einblick und Kritik zum kommunalen Wohnungsbestand zu hören, in dem es Probleme gibt.

Von Anwohnern wurde der Vorwurf laut, die Stadt würde Asylbewerbern voll ausgestattete Wohnungen zur Verfügung stellen und ihre eigenen Bürger mit deren Sorgen allein lassen. Vom Schimmel in Wohnungen, von einem der Landesgartenschau geopferten Wohnquartier war die Rede. "Wie viele kommen noch?", unterbrach ein junger Mann die Einleitung des Bürgermeisters. Doch der Stadtchef richtete weiter den Blick auf das Ganze.

In Schmalkalden würden die Bürger mit Ausländern in guter Nachbarschaft zusammenleben, sowohl mit ausländischen Studenten als auch mit Ausländern, welche hier arbeiten und leben. Probleme gebe es derzeit nur im Zusammenhang mit den deutschlandweit stark angestiegenen Asylbewerbern. Der Kreis müsse mehr von ihnen aufnehmen und damit auch die Stadt Schmalkalden. Die Kommune sei in dieser Frage bislang nur wenig gefordert gewesen. Die meisten Asylbewerber hätten bisher Zella-Mehlis und Meiningen aufgenommen.

Nun wurden vom zuständigen Landkreis Schmalkalden-Meiningen elf Wohnungen mit 65 Asylbewerbern im Quartier Walperloh bei der kommunalen Wohnungsgesellschaft angemietet. "Diese konzentrieren sich unglücklicherweise auf das Wohngebiet Walperloh", sagte der Bürgermeister. Änderung sei in Sicht, andere Wohnungen würden derzeit hergerichtet.

Die Zahl der Asylbewerber im Walperloh werde aber nicht auf Null sinken. Weil in anderen Ländern andere Sitten herrschen, würden nun im Alltag verschiedene Kulturkreise aufeinander prallen. Wenn Syrer oder Menschen anderer Nationalitäten mehr im Freien leben, persönliches Eigentum nicht achten, weil es dieses in ihrer Heimat vielleicht nicht so ausgeprägt gibt, dann müsse man es ihnen vermitteln, merkte der Stadtchef an. Unter anderem dafür setze der Landkreis Sozialbetreuer ein.

Zugleich verwies der Stadtchef auf die Schicksale etlicher Asylbewerber. Da gebe es welche, die hätten im Krieg Familienmitglieder verloren. Er sei Pfarrer Ackermann dankbar, der sich mit seinem Team der Menschen angenommen habe. "Die kamen nur mit einem Koffer hierher", ging er auf den Vorwurf eines Bürgers ein, die Flüchtlinge bekämen komplett ausgestattete Wohnungen. Susanne Reum, Leiterin des zuständigen Fachdienstes im Landratsamt, nannte Zahlen. Von diesem Moment an kehrte mehr Ruhe in die Versammlung ein. Derzeit leben im Landkreis 334 Asylbewerber, davon 211 in Meiningen und 58 in Zella-Mehlis. Der Landkreis müsse von den deutschlandweit stark angestiegenen Asylbewerbern im Monat 21 Familien aufnehmen. Da der Kreis mit der Aufnahme von Asylanten zuletzt im Rückstand war, habe es zum Jahresanfang eine stärkere Zuweisung gegeben, die sich jetzt wieder eingepegelt habe. Die Wohnungen würden zu Beginn des Bezugs einmalig komplett ausgestattet, bestätigte Reum. Sie müssten aber für mehrere Generationen Asylbewerber ausreichen. "Sie können sicher sein, dass wir als Landkreis nicht mehr Geld dafür ausgeben, als wir vom Bund bekommen", sagte sie. Generell habe die Zahl der Asylbewerber drastisch zugenommen, aber ebenso die Zahl der Abschiebungen am Ende des Verfahrens. Diese würden auch nicht mehr so lange dauern wie einst. Die Syrer würden in der Regel als Flüchtlinge anerkannt. Die meisten von ihnen würden den Landkreis nicht als ihren Lebensmittelpunkt wählen, sondern in andere Regionen ziehen.

"Die leben nicht in Saus und Braus", erklärte Bürgermeister Kaminski und warb dafür, mit den Asylbewerbern fair umzugehen. Gleichzeitig erkannte er die geschilderten Probleme in den Wohnungen an. Den Vorwurf junger Leute, das Wohngebiet verkomme, wiesen ältere Bewohner jedoch zurück. "Sorgt erst einmal selbst für Ordnung", sagten sie ihnen. Stefan Barwinek, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Schmalkalden, hatte dem Bürgermeister während der Versammlung die Bildung eines Mieterbeirates vorgeschlagen. Für dieses neue Gremium fanden sich gleich Anwohner, die zuvor stark Kritik an der Stadt geübt hatten.

Quelle: http://www.insuedthueringen.de/lokal/schmalkalden/fwstzsmlokal/Im-Walperloh-brodelt-es-in-der-Buergerschaft-wegen-Asylbewerbern;art83450,3299178

Hinweis: Zu den Geschehnissen auf genannter Bürger_innenversammlung gibt es auch einen Bericht von antifaschistischen Beobachter_innen, auf den wir aufmerksam machen wollen.

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