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Zella-Mehlis: Naziangriff und Homophobie im "Da Capo"-Vereinshaus

Eintragsdatum: 2012-03-01Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Am Samstag den 25.02.2012 fand im »Da Capo« Vereinshaus in der Rodebachstraße 77a in Zella-Mehlis ein Konzert mit drei jüngeren Bands statt. Der anfänglich sehr friedlich verlaufende Abend endete jedoch mit Gewalttätigkeiten eines Neonazis, sowie dessen Schutz durch Mitglieder des "Da Capo"-Vereines und durch Konzertbesucher.

Was war geschehen?

Bei dem Konzert trafen sich überwiegend junge Leute, um sich die verschieden Bands anzuhören und gemeinsam zu feiern. Diese anfänglich gute Stimmung wurde recht schnell durch einen Neonazi gestört, der Konzertbesucher aufgrund ihrer Klamotten (z.B. Beutel oder einfach nur ein normales T-Shirt) als »Schwuchteln« oder auch »Scheiß Homos« bezeichnete. Als dem sichtlich alkoholisierten Neonazi, mit seinen plumpen und primitiven Beleidigungen, anscheinend die Ideen ausgingen, wurde er auch schnell handgreiflich. Er griff eine Person an, die ihm offenbar nicht ins Weltbild passte. Nachdem es zu kleineren Reibereien im Konzertraum kam, versuchten einige Leute die Angelegenheit zu schlichten. Dies taten sie jedoch nicht, weil ein Neonazi Menschen angegriffen hat und menschenverachtende Beleidigungen von sich gab, sondern viel mehr um das Recht des Nazis auf »die freie Meinungsäußerung« zu schützen.
Nachdem sich die Situation vermeintlich beruhigt hatte, schlug der immer noch geduldete und anwesende Neonazi wieder zu. Mit mehreren Schlägen auf den Kopf wurde ein junger Mann attackiert, weil ihn der Neonazi offenbar für homosexuell hielt. Eine vernünftige Reaktion auf solch eine Tat wäre es nun gewesen, den gewalttätigen Neonazi der Veranstaltung zu verweisen. Jedoch genau das Gegenteil war der Fall. Das Mitglied des »Da Capo« Vereines Rainer A. zerrte wütend und aggressiv die Betroffenen der Neonazigewalt vor die Tür. Er warf ihnen vor den Gewalttäter provoziert zu haben, indem sie der Homophobie des Neonazis widersprachen.

In einer anschließenden Diskussion, die von den eigentlichen Betroffenen sachlich geführt werden sollte, kam es dann soweit, dass Frank H. und Rainer A. selbst mit homophoben Sprüchen um sich warfen und ebenfalls die Jugendlichen beleidigten. Jetzt wurden nicht nur die Opfer der Gewalttat heraus geworfen, sondern auch die Leute, die sich mit ihnen solidarisierten. Nicht genug, dass sich die selbsternannten Sicherheitskräfte gegen die jungen Leute stellten, es bildete sich ein kleiner Mob von Konzertbesuchern und Mitgliedern des »Da Capo«-Vereines, der gegen die Betroffenen agitierte, welche die menschenverachtende Einstellungen nicht unkommentiert lassen wollten und dafür sogar Schläge einstecken musste. Das Ziel dieser »Schlichter" war es nicht ansatzweise die Lage zu klären oder zu entschäfren, sondern ebenfalls in den homophoben Mob einzusteigen und solche widerlichen Sprüche zu bringen, wie: »Wenn sie schwul sind, sind mehr Frauen für uns da.« oder auch: »Ich kann es doch akzeptieren, dass ihr nicht normal seid.«
Die Lage drohte zu eskalieren, als Rainer A. und Frank H. durch Aggressionen und sichtlich erhöhten Alkoholpegel die ungenehmen Gäste vertreiben wollten. So versuchten Rainer A. und Frank H. die Leute gar die Treppe vor dem Gebäude herunter zu stoßen, mit der lächerlichen Begründung, man müsse den »Notausgang« frei bekommen. Die Aggressionen und die Beleidigung der Beiden sprach aber eine ganz andere Sprache. Selbst als einige andere Gäste die beiden Vereinsmitglieder ansprachen, da sie gesehen haben, wie der Neonazi anfing die Leute anzupöbeln und gewalttätig wurde, sahen Rainer A. und Frank H. keinerlei Grund die Beschimpfungen und Drohungen gegen die Betroffenen einzustellen.

Dass Neonazis andere Menschen bedrohen und diese angreifen, ist in Zella-Mehlis seit Jahren ein fester Bestandteil des Stadtgeschehens. Es ist erschreckend, dass Mitglieder des Vereins »Da Capo« lieber die Betroffenen rechter Gewalt heraus schmeißen und dabei ihre eigenen homphoben Einstellungen durchblicken lassen. Unterdessen konnte der gewalttätige Neonazi ungestört sein Bier im Konzertraum weiter trinken. Nach diesem Vorfall bleiben auch einige Fragen offen, u.a. warum sich Mitglieder und gar der Vorsitz des »Da Capo« Vereines so aggressiv gegen antihomophobe und antifaschistische Menschen stellte und lieber einen rechten Gewalttäter duldete.
Solange lieber menschenverachtende Einstellungen geduldet werden, solange prügelnde Neonazis akzeptiert und die Betroffenen verjagt werden, solange sich ein deutscher Mob gegen anders denkende und anders lebende Menschen stellt, solange wird antifaschistische Gegenwehr zur Notwendigkeit.
Antifaschistische Gruppe Südthüringen